Leo Barth - Mannheimer Journalist zwischen den Weltkriegen

Leseprobe

... Nicht viel später, im Frühjahr 1935, stand Leo Barth jedoch schon vor einer schwierigen Entscheidung. Der Kampf der Nazis gegen die Kirche hatte sich bereits im Zuge des so genannten Röhm-Putsches wesentlich verschärft. 1934 hatte die SS den Ministerialdirektor und Vorsitzenden der Katholischen Aktion, Erich Klausner, in seinem Berliner Dienstzimmer ermordet. In diesem Kampf der Nazis gegen die Kirche hatte der Breslauer Kardinal Bertram ein sehr deutliches Wort gewagt. „Nach längerer Überlegung gab ich den Bericht zu dem mutigen Kardinals-Wort in die Setzerei, wo er vom Kollegen Dr. Throm gefunden wurde. Er fühlte sich verpflichtet, obschon er selbstverständlich genauso denke wie ich, mich zu warnen, da ich mich doch als der Verantwortliche großer Gefahr aussetze. Ich dankte ihm für die gute Meinung, aber er habe mich ja wohl seit einer halben Stunde im Gang und im Zimmer auf und ab und hin und her gehen sehen. Da eben sei ich zu dem Ent-schluss gekommen, dass unsere Leser gerade an einer solchen Meldung, die gewiss nicht im ,Hakenkreuzbanner‘ stünde und wahrscheinlich auch den anderen Mannheimer Blättern viel zu gewagt erscheine, erkennen müssten, es sind da beim ,Volksblatt‘ immer noch die gleichen, denen wir unser Vertrauen geschenkt haben“, erinnerte sich Leo Barth in seinen Notizen.

Doch schon am Nachmittag konnte Dr. Throm mitteilen, dass das Karlsruher Gaupropagandaamt angerufen habe, der betreffende verantwortliche Redakteur könne mal sofort daheim bleiben, ob und wann er die Redaktion wieder betreten dürfe, werde er noch erfahren. Es dauerte etwa sechs Wochen, bis Leo Barth erfuhr, dass er wieder an seinen Schreibtisch in der Redaktion durfte. Dies geschah mit einer vielseitigen geharnischten Verwarnung. Warum die Suspendierung nun doch aufgehoben worden war, wurde ihm natürlich nicht verraten: Glücklicherweise hatten noch etwa ein Dutzend andere Zeitungen das gleiche „Verbrechen“ begangen wie Leo Barth, und des Auslands wegen scheute man sich (damals noch), eine so hohe Zahl an Redakteuren aus solchem Grund in die Wüste zu schicken.

Leo Barth „durfte“ also wieder. ...


... Obgleich nun 1938, nach dem Überfall auf die Tschechoslowakei, der Krieg zum Greifen nah vor der Tür stand, gingen die Machenschaften der Partei gegen die bürgerliche Presse weiter. Das Ziel war durchsichtig, durch immer weitere Zusammenlegung von Zeitungen „aus wirtschaftlichen Gründen“ musste es ja schließlich gelingen, die letzte noch übrig gebliebene freie Zeitung dann, mit mühelos zu findender Begründung, mit dem NS-Parteiblatt zu verbinden. In Mannheim bedeutete das zunächst die Vereinigung des „Mannheimer Tageblatts“ mit der „Neuen Mannheimer Zeitung“. Die Verleger der „Neuen Mannheimer Zeitung“, Dr. Bode und Bauser, erfahrene Zeitungsmänner, erkannten natürlich die Situation und verstanden es, den „Anfang vom Ende“ immer noch hinauszuschieben.

Hinter diesem ganzen Handel steckte aber noch ein weiteres Gaunerstück der NSDAP und ihrer Zeitung. Die „Neue Mannheimer Zeitung“ gab nämlich montags ein weithin gelesenes Sportblatt heraus, gegen welches das „Hakenkreuzbanner“ nicht hochkommen konnte. Was war also einfacher, als „aus Zweckmäßigkeitsgründen“ in Mannheim fortan nur noch das Sportblatt des „Hakenkreuzbanners“ zu dulden und der „Neuen Mannheimer Zeitung“ zur Entschädigung für ihren Verlust das „Mannheimer Tageblatt“ mit seinem immer noch nennenswerten Abonnentenstand einzuverleiben ...


... Als Leo Barth einige Monate später im Mannheimer Rathaus auf den alten Journalistenkollegen Dr. Throm traf, waren sich beide einig, „dass wir mit viel Glück und Standfestigkeit die grauenhafte, mörderische Nazi-Zeit überstanden hatten“. Unter dem von der amerikanischen Besatzungsmacht ernannten Oberbürgermeister Josef Braun (CDU) trat Leo Barth am 1. Oktober 1945 bei der Stadtverwaltung Mannheim als Leiter der Städtischen Pressestelle ein, die er in der Folgezeit wieder aufbaute.

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