Die schönsten Weihnachtsmarkt-Spaziergänge

Leseprobe

Wie alles begann:
Eine kleine Geschichte zu Weihnachten

Alle Jahre wieder wird zum Jahresende das besinnliche und romantische Weihnachtsfest gefeiert. Doch woher stammt diese Tradition? Als Einstimmung soll den Weihnachtsmarkt-Spaziergängen ein kurzer Überblick zum Ursprung dieses Festes vorangestellt werden.
Für die meisten Christen ist das Weihnachtsfest wichtiger als das ältere und in kirchlicher Hinsicht bedeutendere Osterfest. Wann genau es zum ersten Mal begangen wurde, ist nicht bekannt. Der früheste Hinweis stammt aus dem Jahre 354 und erste glaubwürdige Belege für eine Feier gibt es für die Zeit um 362/363 durch Optatus, den Bischof von Mileve in Nordafrika. Auch wenn der Beginn der Weihnachtsfeiern im Dunkel der Geschichte liegt, so scheint doch zumindest der Grund für die Einführung unstrittig zu sein: die Geburt Christi. Aber selbst hierbei gibt es zwei unterschiedliche Auffassungen: Im deutschsprachigen Raum herrscht die religionsgeschichtliche Erklärung vor, nach der es sich beim Geburtsfest Christi um ein „getauftes“ heidnisches Fest handelt, während man im angelsächsischen Sprachraum die Berechnungshypothese vertritt, nach der Weihnachten aufgrund von Berechnungen christlicher Gelehrter eingeführt worden sei.
Die religionsgeschichtliche Hypothese beruht auf dem Mithras-Kult, der bereits unter Kaiser Eleagabal (gestorben 222) aus dem Orient nach Rom eingeführt wurde. Für einige Jahrzehnte in Vergessenheit geraten, wurde dieser Kult durch Kaiser Aurelian wiederbelebt, indem er am 25. Dezember 274 einen Tempel zu Ehren des Geburtstags des Sonnengottes Mithras stiftete. Selbst in der Pfalz lassen sich Spuren dieses Kults, finden wie der Altarstein in Gimmeldingen bei Neustadt an der Weinstraße, was für seine weite Verbreitung spricht. Während dieser Zeit waren die Christen im Römischen Reich noch eine verfolgte Minderheit, weil sie die Teilnahme an heidnischen Kulten verweigerten. Erst im Jahre 313 wurde das Christentum von Konstantin dem Großen im Toleranzedikt von Mailand als Religion anerkannt. Vom Verbotsstigma befreit, wurde das Christentum im Laufe des 4. Jhds. immer beliebter und stieg unter Theodosius dem Großen im Jahre 380 sogar zur einzigen anerkannten Religionsgemeinschaft des römischen Reiches auf. Aus religionsgeschichtlicher Sicht kam es im Laufe dieser Entwicklung zur Übernahme antiker Kulturelemente ins Christentum, wie zum Beispiel die Umwidmung des Sol-invictus-Festes, des Siegs der Sonne über die Finsternis (Wintersonnenwende), in das Geburtsfest Christi. Ein Beleg sind die ab Beginn des 4. Jhds. vermehrten Darstellungen und Predigten, in denen Christus mit den Abzeichen des Sonnengottes zusammengebracht wird.
Nach der Berechnungshypothese ist der zeitliche Zusammenhang zwischen dem heidnischen Sonnenwendfest und dem Weihnachtsfest rein zufällig. Schon früh machte man sich Gedanken über den Geburtstermin Jesu und den ältesten Auffassungen zufolge soll seine Geburt im Frühling stattgefunden haben. So sah Hippolyt von Rom (geboren um 170) den 2. April als Geburtstag an und Clemens von Alexandrien (um 140/150 bis 220) benennt den 19./20. April, den 20. Mai oder den 18. November als mögliche Geburtstage. Die Urchristen einigten sich schließlich darauf, dass die Geburt Christi vom 05. auf den 06. Januar stattgefunden habe und man feierte zusammen mit der Taufe Jesu (Epiphanias) am 06. Januar. Erst durch eine Weihnachtspredigt des späteren Bischofs von Konstantinopel, Johannes Chrysostomos, die er vermutlich 349 im syrischen Antiochien hielt, wurde das Geburtsfest auf den 25. Dezember verschoben. Der wortgewandte Chrysostomos, die Übersetzung seines griechischen Namens bedeutet „Goldmund“, begründete die zeitliche Verschiebung unter Rückgriff auf die Evangelien des Lukas und des Matthäus mit einer Interpretation, die seine Zeitgenossen scheinbar überzeugt hat.
Dass Weihnachten heute in den meisten orthodoxen Kirchen am 06. Januar gefeiert wird, hat allerdings nichts mit der oben genannten Terminverschiebung durch Chrysostomos zu tun. Die unterschiedliche Terminierung der Feiertage ist auf die gregorianische Kalenderreform von 1582 zurückzuführen. Einige christliche Kirchen halten weiterhin am alten, julianischen Kalender fest und feiern deshalb Weihnachten erst am 06. Januar. Dementsprechend verschiebt sich bei diesen das Tauffest Christi in die zweite Januarhälfte.*

 

Quellen:
Cullmann, Oscar: Die Entstehung des Weihnachtsfestes und die Herkunft des Weihnachtsbaumes. Stuttgart: Quell Verlag, 1990. 71 Seiten.
Förster, Hans: Weihnachten: eine Spurensuche. Berlin: Kulturverlag Kadmos, 2003. 141 Seiten.
Vossen, Rüdiger: Weihnachtsbräuche in aller Welt: von Martini bis Lichtmess. Hamburg: Ellert & Richter, 2012. 332 Seiten.
Wahle, Stephan: Das Fest der Menschwerdung: Weihnachten in Glaube, Kultur und Gesellschaft. Freiburg/Breisgau: Verlag Herder, 2015. 432 Seiten.

* „Heute feiern Weihnachten am 25. Dezember außer der römisch-katholischen und den protestantischen Kirchen die (chalcedonensisch-)orthodoxen Kirchen Konstantinopels, Alexandriens, Antiochiens, Rumäniens, Cyperns, Griechenlands, Finnlands, ferner diejenigen der Diaspora. Dagegen halten am 6. Januar fest: von den (chalcedonensisch-)orthodoxen Kirchen diejenigen Jerusalems, Rußlands, Serbiens, Bulgariens, Georgiens, Polens und der Tschechoslowakei; von den nicht-chalcedonensischen orthodoxen Kirchen die äthiopische, die koptische, die syrojakobitische, die indische; die armenische feiert einige Tage später, am 18./19. Januar.“ (Cullmann, S. 42, siehe Quellenangabe)

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